Interview mit Hebamme Janette Harazin – „Warum Osteo­pathie für Babys und Mütter so wertvoll sein kann“

Osteo­pathie ist für viele Eltern noch ein Thema, über das sie erst im Laufe der Schwan­ger­schaft oder nach der Geburt erfahren.
Hebamme Janette Harazin arbeitet seit vielen Jahren mit Fami­lien zusammen und empfiehlt osteo­pathische Be­hand­lungen oft und aus Über­zeug­ung. Nach einem Brand in Ihrer Hebammen­praxis im November 2024 hat sie sich Ihren Herzens­wunsch erfüllt und das erste Wochenbett-Resort Deutschlands in Hamburg Volksdorf eröffnet.
Im Gespräch erklärt sie, in welchen Situ­ati­onen sie Babys, Schwangere und Mütter gerne zum Osteo­pathen schickt – und warum das nicht nur bei Pro­blemen, sondern auch vor­beu­gend sinn­voll sein kann.

Sanfte Hilfe – auch ohne akute Probleme

„Prophy­laktisch würde ich am lieb­sten jedes Kind zum Osteo­pathen schicken“, sagt Janette.
„Die Geburt ist für Babys oft eine große körper­liche Heraus­forderung – sie werden gequetscht, gedrückt, geschoben manchmal auch gezogen. Das kann Spuren hinter­lassen, selbst wenn die Geburt komp­likations­los verläuft.“

Besonders empfiehlt sie eine osteo­pathi­sche Unter­suchung nach besonderen Geburts­verläufen:
Sauglocke, Zange, Zwillings­geburten oder sehr lange Wehen­phasen gehören für sie zu den klas­sischen Indi­kati­onen. „Das ist alles zusätz­licher Stress für das Kind – und da kann Osteo­­pathie helfen.“

Von Lieblings­seiten, schiefen Köpfchen und Trink­problemen

Es gibt aber auch viele andere Gründe, warum Janette Eltern den Besuch beim Osteopathen ans Herz legt:
„Wenn ein Baby den Kopf immer nur zu einer Seite dreht, eine deutliche Asymmetrie im Gesicht oder am Hinterkopf hat oder sich nicht altersgerecht fortbewegt, dann lohnt sich ein Blick vom Osteopathen.“

Erste Erfolge oft schon nach einer Sitzung

„Ja, meistens schon nach der ersten Sitzung“, sagt Janette auf die Frage, ob sich die Kinder danach verändern. „Sie trinken oft besser, können den Kopf gleich­mäßig drehen oder entwickeln Bewegungs­koordi­nation, die vorher gefehlt hat.“

Auch bei vermeintlichen Bauch­schmerzen sieht sie oft Fort­schritte: „Nach der Behand­lung pupsen die Babys manch­mal eine halbe Stunde lang – und sind danach deutlich ent­spannter.“
Beim Schlafen merke man die Ver­besse­rung meist am Tag nach der Behand­lung: „Dann sind sie meist ausgeglichener.“

Nicht nur für Babys

Osteo­pathie empfiehlt Janette auch Schwan­geren – etwa, wenn sich das Baby in Becken­endlage befindet oder die Frau bereits einen Kaiser­schnitt hinter sich hat.
„Oft lassen sich Ver­span­nungen und Gewebe­verkle­bungen lösen, und manchmal dreht sich das Kind nach einer Behand­lung tat­sächlich noch in die richtige Lage. Das ganze hat natürlich nichts mit einer äußeren Wendung zu tun, sondern damit das bei der osteo­patischen Behand­lung die Statik der Mutter behandelt wird.“

Nach einer PDA oder bei Müttern, deren Babys sehr viel weinen, kann Osteo­pathie ebenfalls helfen.
„Eine ent­spannte Mama hat oft eine bessere Milch­bildung. Viele ver­spannen sich unter der Geburt oder beim Stillen im Schulter- und Nacken­bereich – das kann man sehr gut behandeln.“

Ein Wunsch fürs Gesundheits­system

Früh­geborene würde Janette ebenfalls gern häufiger zum Osteo­pathen schicken, doch hier sei die Umsetzung oft schwierig. „In Frank­reich wird jedes Baby und jede Mutter vor der Ent­lassung osteo­pathisch angeschaut – das fände ich bei uns auch sehr sinnvoll.“

Außer­dem empfiehlt sie, nach etwa sechs Wochen noch einmal zu kon­trollieren: „Manche Pro­bleme zeigen sich erst dann, weil sie viel­leicht unter der Geburt ent­standen sind und anfangs noch nicht spürbar waren.“

Mehr als nur Symptom­behandlung

Für Janette ist Osteo­pathie nicht nur eine medi­zinische Maß­nahme, sondern auch eine Form der Selbst­für­sorge:
„Es macht aus­ge­glichen und ruhig. Man spürt den eigenen Körper besser – das gilt für Mütter und Babys gleicher­maßen.
Für mich ist das Ent­spannung für die Seele.

Osteo­­pathie – Wann sie für Babys, Schwangere und Mütter sinnvoll ist

Für Babys

  • Nach Sauglocken- oder Zangen­geburt
  • Nach Zwillings­geburten oder sehr langen Geburten
  • Bei Stillproblemen
  • Nach einer Zungen­band­durch­tren­nung – besonders in Kom­bination mit Logo­pädie
  • Sichtbare Asymmetrie von Kopf oder Gesicht
  • Lieblings­seite beim Drehen des Kopfes und oder der Hüfte
  • Verzögerte motorische Entwicklung
  • Häufiges, unerklärliches Weinen
  • Bauch­schmerzen / Blähungen

Für Schwangere

  • Baby in Beckenendlage
  • Nach einem voran­gegangenen Kaiser­schnitt
  • Verspannungen oder Schmerzen im Becken- und Rückenbereich
  • Vorbereitung auf eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC)

Für Mütter nach der Geburt

  • Verspan­nungen durch Geburt oder Still­haltung
  • Schulter- und Nackenbeschwerden
  • Unterstützung der Milchbildung durch Entspannung
  • Allgemeine körperliche und seelische Ausgeglichenheit

Danke Dir Janette

Janette Harazin Hebamme und Gründerin des Wochenbettresort

Immer in ganzheitlicher Betrachtung

Grundlage für jede Behandlung ist eine ganzheitliche Anamese, die mir hilft, ein umfassendes Bild vom Patienten zu gewinnen. Durch die detaillierte Erfassung der medizinischen Vorgeschichte, früherer Verletzungem, Lebensgewohnheiten und aktuellen Beschwerden kann ich als Therapeutin tiefere Zusammenhänge erkennen, die auf körperlicher, emotionaler und energetischer Ebene den Heilungsprozess beeinflussen.

Weiteres aus dem Blog